| Christine Helfer, RAI Sender Bozen „Der tollste Tag“ entstand aus der Vorlage „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ des französischen Komödienschreibers Beaumarchais. Ein Stück, das am Vorabend der französischen Revolution provozierend genug war, um sechs Jahre lang für die Aufführung gesperrt zu bleiben, schließlich wird darin die Aristokratie von einem gewitzten Diener, Figaro, bloßgestellt. Peter Turrini hat das Handlungsgerüst und die Figurenkonstellation übernommen, und mit einer sprühend-derben Sprache den zugrunde liegenden Konflikt verschärft: Graf Almaviva – Erwin Windegger - will sich die junge Kammerzofe Susanna auf keinen Fall entgehen lassen, obwohl oder gerade weil sie seinen Diener Figaro heiraten wird. Es gilt das ungeschriebene Gesetz der „ius primae noctis“: Susanna, hier Gerti Drassl und Figaro, Sami Loris sind die beiden Lichtgestalten im Stück. Wenn sie zusammenkommen, erklingt süßer Soul, ihre Liebe ist schmelzend echt – mit ihr im Herzen lassen sich die Launen der Herrschaften ertragen, wird die Nassrasur im Schambereich zu einem zärtlichen Pas de deux und die Geilheit des Grafen ein Ansinnen, das man mit frecher Klugheit zu vereiteln trachtet, denkt Figaro. Und so schickt er Susanna zum Grafen, um seine Intrige einzufädeln: Peter Turrini hat den „tollsten Tag“ auch deswegen geschrieben, um zu sehen, wie sich der Witz, der Witz der Sprache einer absoluten Macht gegenüber behauptet und kam als Realist zu keinem guten Schluss. Die Regisseurin Nina C. Gabriel hat eines noch hinzugefügt, die Liebe und ihre Strahlkraft. Das geht sich im ersten Teil der Inszenierung sehr schön aus, Gabriel verführt die Zuschauer mit Musik und lasziver Atmosphäre, witzigen Einfällen und köstlichen Szenen, Cherubin und die Gräfin ist so eine. Soweit die Fassade. Nina C. Gabriel nimmt den Autor Turrini ernst und sieht das Theater als moralische Anstalt. Deswegen inszeniert sie das Stück mit jener Leidenschaft, die Turrini auch für sich selbst und seine Arbeit einfordert. Trotzdem oder gerade deshalb kippt das Ganze aus der Leichtfüßigkeit vor der Pause in eine Krassheit die mit überdeutlichen und abgeschmackten Bildern arbeitet. Träger dieser Bilder ist etwa die Richterschaft, Peter Hladik und Josef Lanz. Es wird so recht die Sau rausgelassen auf der Bühne, die geballte Korruptheit und Gewalt fegt wie ein Sturm alle Zartheit der Gefühle und der unschuldigen Intrigen hinweg. Figaro ermordet den Grafen und zurück bleibt seine unglückliche Gemahlin, Marie-Therese Futterknecht mit einer bösen Ahnung. |







