Vereinigte Bühnen Bozen
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Alices Reisein die Schweiz

Presseaussendung 04-03
Bozen, den 04.01.2007

Die Vereinigten Bühnen Bozen (VBB) starten ab dem 12. Januar mit einem viel diskutierten Thema, dem selbstbestimmten und würdevollen Sterben, in das neue Jahr. Unsentimental und doch anrührend erzählt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss in seinem Schauspiel „Alices Reise in die Schweiz“ von einem Arzt, der beim Sterben hilft, und von Menschen, die ihn aufsuchen. VBB-Dramaturgin Kathrin Gschleier sprach mit der Regisseurin Dora Schneider.

Kathrin Gschleier: Das Theaterstück „Alices Reise in die Schweiz“ ist durch den Fall des schwer kranken und kürzlich durch Sterbehilfe verstorbenen Römers Piergiorgio Welby besonders aktuell. Sehen Sie Parallelen zwischen diesem konkreten Fall und dem Schauspiel „Alices Reise in die Schweiz“ von Lukas Bärfuss?
Dora Schneider: In „Alices Reise in die Schweiz“ geht es um Fragen, die man sich auch im Fall Welby stellt. Das Stück wirft ethische Fragen auf, wie z.B. hat der Mensch das Recht, selbst zu entscheiden, wann und wie er sterben möchte. Es geht aber natürlich auch um Verantwortung und um die Frage nach der persönlichen Freiheit zu sterben. Etwas, das Welby für sich ja auch jahrelang eingefordert hat.

K. G.: Was hat Sie an dem Thema besonders interessiert?
D. S.: Das Thema hat mich sofort angesprochen. Beim ersten Lesen hatte ich gleich das Gefühl, dass das Stück in einer Art Zwischenraum zwischen Leben und Tod stattfindet. Die spannende Frage war für mich: Wie geht jemand durchs Leben, der weiß, dass er bald sterben wird. Das kommt auch im Stück wunderbar vor: es ist für Alice alles zum letzten Mal. Das Leben wird intensiver, je näher man dem Tod kommt.

K. G.: Worum geht es konzeptionell in diesem Stück?
D. S.: Das Stück hat was von einem Schachspiel: jede Figur hat eine bestimmte Position. Diese Positionen sind sehr unterschiedlich und prallen teilweise aufeinander. Mir ist es wichtig, dass trotzdem jede Position nachvollziehbar ist. Dass man jeden Mensch und jede Position ernst nimmt, nicht lächerlich macht und so jeder Position die Möglichkeit lässt, sich auf der Bühne zu entfalten. Das ermöglicht den Zuschauern, sich in mehrere Gedankengänge hinein zu versetzen und die eigene Position zu hinterfragen. Das Stück ist interessant, um den gedanklichen Horizont zu erweitern, zum Nachdenken angeregt zu werden. Wichtig sind in dem Stück natürlich auch die Grenzüberschreitungen. Jeder Zuschauer wird woanders seine Grenzen haben, aber vielleicht kommt man über diese Grenzen hinweg.

K. G.: Ist Sterben denn so einfach?
D. S.: „Alices Reise in die Schweiz“ zeigt, dass der Weg, den jemand geht, der sterben möchte, kompliziert ist. Das Sterben an sich hat Aufs und Abs, ist mit Zweifeln verbunden. Was aber geradlinig ist, ist Alices Wunsch zu sterben. In dem Stück geht es um eine tolerante Haltung gegenüber einem Todeswunsch und darum, dass der Wunsch zu sterben in unserer Gesellschaft Platz haben sollte.

K. G.: Welche Position kann Theater, bzw. soll Theater in gesellschaftlichen Fragen haben?
D. S.: Die Aufgabe des Theater ist es, Fragen aufzuwerfen und bestehende menschlichen Konflikte aufzuzeigen. „Alices Reise in die Schweiz“ ist ein Stück, das Fragen stellt und hoffentlich auch Diskussionen auslöst. Würde Theater bei einem so komplexen ethischen Thema eine einseitige Position beziehen, würde es diesem nicht gerecht werden.

Die Vereinigten Bühnen Bozen zeigen „Alices Reise in die Schweiz" ab Freitag, 12. Januar 2007 auf der Studio-Bühne des Bozner Stadttheaters. Weitere Termine: 13., 17., 18., 19., 20., 24., 25., 26. und 27. Januar 2007, jeweils 20 Uhr und 21. Januar, 17 Uhr. TheaterThemenFrühstück zum Thema "Würdevolles Sterben in unserer Zeit?" am 13.1. ab 11 Uhr im Foyer des Großen Hauses im Stadttheater Bozen (Eintritt frei). Tickets und Infos unter Tel. 0471 327 930 (VBB), Tel. 0471 30 41 30 (Theaterkasse), Tel. 0471 92 77 77 (Athesia-Ticket) oder www.theater-bozen.it.



Alices Reise in die Schweiz
Schauspiel von Lukas Bärfuss

Regie: Dora Schneider
Bühne: Christian Weißenberger
Kostüme: Oliver Mölter

Gustav Strom Peter Hladik
Alice Gallo Susanne Kubelka
Lotte Gallo Hertha Schell
Eva Ina Tempel
Walther Theo Hendrich
John Eduard Wildner


Termine
Premiere: 12. Januar 2007, 20.00 Uhr

Weitere Termine:
Sa 13. Jan 07, 20.00 Uhr
Mi 17. Jan 07, 20.00 Uhr
Do 18. Jan 07, 20.00 Uhr
Fr 19. Jan 07, 20.00 Uhr
Sa 20. Jan 07, 20.00 Uhr
So 21. Jan 07, 17.00 Uhr
Mi 24. Jan 07, 20.00 Uhr
Do 25. Jan 07, 20.00 Uhr
Fr 26 Jan 07, 20.00 Uhr
Sa 27. Jan 07, 20.00 Uhr



TheaterThemenFrühstück

„Würdevolles Sterben in unserer Zeit?“

Samstag, 13. Januar 2007, 11 Uhr
Stadttheater Bozen, Großes Haus, Foyer +1

Gesprächsrunde zum Thema „Würdevolles Sterben in unserer Zeit?“ mit: Dr. Oswald Mayr (Arzt und Präsident der Ethikkommission des Landes), Dr. Rainer Feichter (Leiter der Hospizbewegung der Caritas), Dr. Robert Hager (Musiker, Maler, Theologe) und Dora Schneider (Regisseurin). Moderation: Susanne Barta

Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Der Eintritt ist frei, die Theaterbar geöffnet.