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16.03.2018

Drei Fragen an...
Jan Sobrie

3 Fragen, 3 Antworten: Autor Jan Sobrie über sein Jugendtheaterstück SHUT UP, über Inspiration und über das Gelingen eines Theatertextes

VBB: Jan Sobrie, Sie haben das Theaterstück Shut Up 2014 geschrieben, dafür haben Sie 2015 den Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis „Kaas & Kappes“ erhalten. Ein authentisches Stück über die Kraft der Freundschaft, über das Anders Sein. Sie waren heute bei der Premiere der VBB Inszenierung im PippoStage Bozen zugegen, haben Sie ihr Stück wiedererkannt?

Jan Sobrie: Ich habe sehr viele Theaterstücke für viele verschiedene Theaterhäuser geschrieben. Das wichtigste ist, dass die Seele des Stückes spürbar wird. Wenn sie da ist, dann ist alles gut. Nachdem du ein Stück geschrieben hast, musst du es loslassen. In dieser Inszenierung des Stücks – es handelt von Etiketten und Schubladen, vom  Anderssein, von Freundschaft – spürte man die Seele des Stücks. Das macht mich sehr froh!

VBB: Wie kam es zu diesem Stück?

Jan Sobrie: Wagner sagte, ich glaube es war Wagner, dass jeder Künstler einen Feind benötigt, um inspiriert zu werden. Mich und Ravel Ruëll, meinem Co-Autor, beschäftigte damals sehr, dass junge Menschen von heute sehr schnell Medikamente bekommen, wenn sie auffällig sind. Medikamente, über deren Auswirkungen es noch keine ausreichenden Studien gibt. Es empört mich, dass Pharmakonzerne wissenschaftliche Studien bezahlen – und damit das Ergebnis beeinflussen, das sind dann „Fake“studien. Heute nennt man es „ADHS“ – in meiner Jugend nannte man es „JUNGS“. Natürlich gibt es schwerwiegende psychische Krankheiten, die die Vergabe von Medikamenten notwendig machen. Aber bei ADHS gibt es nun dieses Etikett, obwohl noch vieles nicht geklärt ist… Deshalb haben wir dieses Stück geschrieben – aus Empörung über diese leichtfertige Handhabung von Medikamenten.

VBB: Sie schreiben Stücke für junge Leute. Das Alter der 9 bis 14jährigen gilt als „theaterresistent“, ist nicht so leicht ins Theater zu bewegen. Haben Sie das im Kopf, wenn Sie ein Stück für diese Altersgruppe schreiben?

Jan Sobrie: Ich glaube, dass eine gute Geschichte immer funktioniert – im Theater, oder im Jugendzentrum oder wo auch immer. Das geht zurück auf vergangene Zeiten, wo man sich am Lagerfeuer Geschichten erzählte. Viele sagen, dass sich das geändert hat in unseren Computer und Facebook Zeiten. Aber das stimmt nicht. Es gibt nach wie vor die Notwendigkeit Geschichten zu erzählen und erzählt zu bekommen. Wenn ich schreibe, dann tue ich das, weil ich an die Kraft der Geschichten glaube.

Zum Autor:

Jan Sobrie *1979 im belgischen Gent, studierte Schauspiel an der Theaterschule RITS in Brüssel. Seit seinem Studienabschluss im Jahr 2002 arbeitet er als Schauspieler und schreibt Theaterstücke, in welchen er auch selbst spielt. 2006 wurde sein Stück „Titus“ für den Belgisch-Niederländischen Theaterfestivalpreis nominiert, 2008 für den Deutschen Jugendtheaterpreis. Für „Remember Me“ und „Shut up“ erhielt er 2010 und 2015 den Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis „Kaas & Kappes“.

SHUT UP

18. - 24. März 2018 im Jugendzentrum PIPPO, Bozen